Motorpflege leicht gemacht

Der Einfallsreichtum ist grenzenlos. Man nennt sie Excellium, Ultimate oder V-Power und alle sind sie besser als alles, womit wir in den letzten 125 Jahren problemlos durch die Alleen der Welt gerollt sind. Premiumkraftstoffe nennt man sie und was das Premiumbier für den Mann ist, soll der Premiumkraftstoff für das Auto sein. Selbstverständlich muss ein derart exklusiver Saft auch teurer sein als alles andere, was bisher den Motor am Laufen gehalten hat. Aber so wirklich scheint niemand zu wissen, was den Edelsprit vom normalen Benzin unterscheidet, ob es sich lohnt, und wenn ja, für wen?

 

Gut, besser, teuer

Vor einigen Jahren wurden zusätzlich zu den bekannten Treibstoffen Diesel, Normal, Super und Super Plus noch sogenannte Premiumkraftstoffe eingeführt, sozusagen das Warsteiner-Benzin. Es sollte die Leistung erhöhen, Sprit sparen, Ventile reinigen und dabei auch noch schonend für die Umwelt sein. Angeblich sind die Unterschiede eklatant. An der Oktankzahl kann man erkennen, wie klopffest Benzin ist. Der Kolben des Motors verdichtet das Benzin, bevor es von der Zündkerze entzündet wird. Sollte sich das Benzin zu früh entzünden, noch vor der ausreichenden Verdichtung, entstehen unkontrollierte Verbrennungen im Motor, der daraufhin zu klopfen beginnt. Auf Dauer kann es hierdurch zu Verschleißerscheinungen am Motor kommen. Es ist daher wichtig immer das Benzin zu tanken, das für den jeweiligen Motor optimal geeignet ist und nicht irgendetwas mit einer niedrigen Oktanzahl in das Luxusauto füllen. Eine auf Normalbenzin fahrende Limousine benötigt eine Oktanzahl von mindestens 91, Autofahrer die eine Limousine kaufen, die Super bleifrei fahren soll, sollten mindestens 95 Oktan erreichen. Steht Super Plus auf dem Tankdeckel benötigt man 98 Oktan für den Motor. Und dann kommen die Premiumkraftstoffe mit ihren 100 Oktan, manche sogar 102. Die Werbung behauptet, dass diese Kraftstoffe über eine besonders hohe Klopffestigkeit verfügen und durch effektivere Verbrennung für eine höhere Motorleistung sorgen.

Wer daran glaubt

Der ADAC hat durch umfangreiche Tests festgestellt, dass ein normaler Motor diese hohe Oktanzahl jedoch gar nicht richtig ausnutzen kann. Nahezu alle Motoren sind auf maximal 98 Oktan ausgelegt. Alles, was darüber liegt, ist nutzlos und verpufft. Bei lediglich zwei Fahrzeugen konnte man eine Leistungssteigerung feststellen, nachdem man sie mit V-Power gefüttert hatten. Diese Leistungssteigerung lag jedoch unterhalb von 2 % und kann auch Zufall gewesen sein.

Premiumbenzin enthält besondere Additive, die Ablagerungen auf den Einspritzdüsen und Ventilen entfernen. Das bedeutet, sie entfernen etwas, das nicht vorhanden ist, da sich weder auf den Ventilen noch den Einspritzdüsen, normale Fahrweise vorausgesetzt, etwas ablagert. Verbrennungsrückstände kann man nur bei den Fahrzeugen entdecken, die immer nur auf Kurzstrecken rollen und nie richtig auf Touren kommen. Dazu benötigt man aber auch keinen Premiumkraftstoff, hierfür kann man im Handel Zusätze kaufen, die man direkt in den Tank schüttet. Allerdings muss man darauf achten, dass das Mischungsverhältnis dieser Zusätze bei häufigen Fahrten mit langen Strecken anders ausgelegt sein muss als bei Kurzstreckenfahrern. Es besteht sonst die Gefahr, dass der Motor der Limousine geschädigt wird. Bei Premiumtreibstoffen muss das Mischungsverhältnis jedoch so ausgelegt sein, dass Schäden dadurch mit Sicherheit ausgeschlossen sind. Das wiederum ist jedoch nicht ausreichend für die Entfernung von Ablagerungen.